Seeaufklärung der Volksmarine

(Bearbeitungsstand: 13.05.2021 - neu: Beginn der Seeaufklärung der Volksmarine)

 
     

Die Seeaufklärung war Bestandteil der Militärische Aufklärung der NVA. Sie diente zur Beschaffung, Bearbeitung, Analyse und Bewertung von Informationen möglicher Konfliktgegner.
Durchgeführt wurde die Seeaufklärung durch Schiffe und Hubschrauber in der Verantwortungszone der Volksmarine. Ab Mitte der 80er Jahre gab es zusätzliche Aufklärungsflüge durch das MFG-28. Schwerpunkt war die Aufklärung der NATO-Streitkräfte im Kommandobereich Ostseeausgänge.

Die visuell-optische und FuM-Aufklärung war Standardaufgabe aller Schiffe und Boote der Volksmarine. Gesichtete gegnerische Schiffskräfte wurden an alle eigenen Kräfte gemeldet und technisch begleitet (FuM). Stoßkräfte (z.B. Schnellboote, U-Boote) und Schiffsverbände mussten direkt begleitet werden.
Die Volksmarine stellte den Vorpostendienst im südlichen Bereich der Ostseeausgänge sicher. Neben zeitweilig, je nach Lage besetzten Vorposten, gab es einen ständigen vor der Insel Fehmarn: Vorposten 72. Hauptaufgabe war die Überwachung des Fehmarnbelts. Diese Praxis wurde bis 1989/90 ausgeführt (siehe auch Hier).

Am 19.September 1972 wurde die 4.Vermessungsschiffsabteilung innerhalb der 4.Flottille (Warnemünde) gegründet. Mit den zwei weiteren in Dienst gestellten Aufklärungsschiffen („Komet“, „Meteor“) wurden die Fähigkeiten der Seeaufklärung der Volksmarine bedeutend erweitert. Neben einer leistungsfähigen Fotoaufklärung und -auswertung betraf das vor allem die Funk- und Funktechnische Aufklärung. Die Aufklärungsschiffe kamen im gesamten Bereich der NATO-Kommandos Ostseeausgänge (COMBALTAP), einschließlich der Nordsee („Hydrograph“, „Jasmund“), zum Einsatz. Ihr hauptsächliches Operationsgebiet war die Kieler Bucht. Zusätzlich wurden sie in den Vorpostendienst der 4.Flottille eingebunden.

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Beginn der Seeaufklärung der Volksmarine
von Wolfgang Lindemann

Das erste Schiff, das gezielt zur Aufklärung eingesetzt wurde, war die „Johann Ludwig Krüger“. Das Schiff entstammte einem Logger-Serienbau für die UdSSR (ab 1949) und wurde 1951 zu einem Forschungs- und Aufklärungsschiff umgebaut. In den ersten Jahren war es dem SDH und ab 1960 der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin unterstellt.

Im April 1960 wurde die „Johann Ludwig Krüger“ für die erste größere Aufklärungsfahrt, die unter operativer Führung des Oberoffiziers Seeaufklärung der Abteilung Aufklärung des Kommandos der Volksmarine stand, eingesetzt. Die Fahrt führte durch den Großen Belt bis in das Kattegat (Höhe Skagen). Zurück ging es durch den Öre-Sund. Hauptaufgabe war die Aufklärung von Landobjekten (dänische Küstenforts, Häfen Korsör und Frederikshavn) und die Festlegung günstiger Aufklärungspositionen (Ankerplätze für Aufklärungsvorposten).

Zum erstem, strukturellen, Aufklärungsschiff wurde 1960 der Hochsee- und Bergungsschlepper „Wismar“ ausgerüstet. Er erhielt die taktischen Bordnummer D-22 und war im Stützpunkt Warnemünde stationiert. Aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und des hohen Alters (1910 als dänischer Minensucher „Lossen“ vom Stapel gelaufen) kam die „Wismar“ fast ausschließlich für Aufklärungsfahrten in der Kieler Bucht zu Einsatz. Im November 1962 wurde das Schiff außer Dienst gestellt.

Anfang der 60er Jahre wurden weitere Schiffe des SHD für kürzere Aufklärungseinsätze eingesetzt. Es handelte sich dabei um die Vermessungsschiffe „Karl Friedrich Gauss“ (ex Schlepper Projekt 501/2), „Jordan“ und „Magnetologe“ (beides 24m -Holzkutter).

Mit der Indienststellung des Schiffes „Hydrograph“ im November 1961 erhielt die Volksmarine ein Aufklärungsschiff, dass für alle Aufgaben ohne einschränkende Fahrtbereiche eingesetzt werden konnte. Es erhielt die taktische Nummer D-21. Die „Hydrograph“ war im Schiffsregister als Vermessungsschiff des SHD Rostock eingetragen und führte (bis Mitte der 60er Jahre) das SHD-Logo am Schornstein. Im Gegensatz zu den anderen, zur Aufklärung eingesetzten, SHD-Schiffe hatte die „Hydrograph“ eine ausschließlich militärische Besatzung. Operativ wurde es nur vom Hauptgefechtsstand des Kommandos der Volksmarine geführt. Administrativ unterstand es der 4.Flottille, Stützpunkt Warnemünde.

Bis zum August 1962 kam die „Hydrograph“ nur für kürzere Aufklärungsfahrten zu Einsatz. Der Start ihrer „Aufklärungskarriere“ begann am 18.08.1962 (bis 29.08.1962) mit der Aufklärung der NATO-Flottenübung DOORKEEPER 62 in den Seegebieten Kieler Bucht, Großer Belt und Kattegat.

Bis dahin wurde das Schiff hauptsächlich als Truppentransporter eingesetzt. Aufgabe war es, die Besatzungen von zwei KSS, die sich in der Marinewerft Kronstadt (Leningrad) zur Hauptinstandsetzung befanden, turnusmäßig auszutauschen. Für die Austauschbesatzungen waren es spartanische Transportbedingungen. Sie konnten nur im Laderaum untergebracht werden. Kojen gab es nicht …. dafür mussten Strohsäcke herhalten.

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Aufklärungsschiffe der Volksmarine:

  „Hydrograph“ (siehe Hier) „Jasmund“ (Darss-Klasse), „Komet“ (Kondor-Klasse), „Meteor“ (Kondor-Klasse).
 

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Gefechtsdienst – Aufklärungseinsätze
von Wolfgang Lindemann

Die Weisung zur Durchführung von Aufklärungseinsätzen kam von der Abteilung Aufklärung des Kommandos der Volksmarine. Nach der Aufgabenstellung an den Abteilungschef der 4.VSA wurde der Kommandant des Schiffes von diesem instruiert. Bei speziellen Einsätzen präzisierte der Offizier für Seeaufklärung (Abteilung Aufklärung Kommando der VM) die Aufgaben direkt an Bord. Zusätzlicher Teilnehmer war in der Regel der I. Wachoffizier.

Zur Vorbereitung auf einen Gefechtsdienst gehörten die Auffüllung der Verpflegung- und Kantinenvorräte sowie ggf. Bunkern von Treibstoff und Wasser. Die Funker und der Chiffrierer mussten ihre Schlüsselunterlagen aktualisieren. In Absprache mit dem Abteilungschef wurde ggf. die Besatzung durch Personal der anderen Schiffe aufgefüllt. Die Abteilung Aufklärung informierte auch über das zusätzliche Personal (Schweigefunker FD-18/HA3 MfS), so dass die Belegung der Kammern für den Gefechtsdienst geregelt werden konnte. Bei Fahrten in die Nordsee waren üblicherweise ein Vertreter des Abteilungstabs sowie ein Arzt an Bord.

Anhand der für den Einsatz zur Verfügung stehenden Besatzung stellte der I.WO die beiden Seewachen (Stb.- und Bb-Wache) auf. Die Schweigefunker organisierten ihren Dienst eigenständig. In den Gefechtsdiensten galt die „englische Seewache“. D.h., alle 4 Stunden war Wachwechsel, mit Ausnahme der Zeit von 16.00 bis 18.00 Uhr und 18.00 bis 20.00 Uhr (2-stündiger Wachwechsel).

Fahrten in die Nordsee mussten vorgekoppelt werden. Unter Aufsicht eines seemännischen Offiziers (vorzugsweise I.WO) wurden die Kurse in den Seekarten durch den Steuermann eingezeichnet und die Fahrt mit Geschwindigkeit sowie Zeiten gekoppelt. Regelmäßige Standortbestimmungen (Kursänderungspunkte, Gefahrenstellen etc.) durch Decca-Hyperbelschnittpunkte, Peilungen mit Kompass und Winkelmessungen mit Sextant vervollständigten die Vorkopplung. Eigentlich war das überflüssig. Wir kannten die Seegebiete und die Zufahrten sehr genau. Es war aber eine Vorgabe des Kommandos der Volksmarine, die sehr penibel durch einen Navigationsoffizier geprüft wurde.

Kurz vor dem Auslaufen informierte sich der Kommandant beim Operativer Dienst (OP-Dienst) der 4.Flottille und beim Lagezentrum des Chefs der Aufklärung der Volksmarine über die aktuelle Lage.

Als letzte Maßnahme vor dem Ablegen trat die komplette Besatzung, einschließlich zusätzlichem Personal, auf dem Hauptdeck zur Vergatterung an. Nach Meldung des Kommandanten an den Abteilungschef wurde die Besatzung über die Aufgabe und Dauer des Einsatzes informiert, sowie die Wacheinteilung (Seewachen, Freiwache) bekannt gegeben. Zur Freiwache gehörten in der Regel der Oberbootsmann, der Koch und der Backschafter.

Abgeschlossen wurde die Musterung mit dem Befehl des Kommandanten: „Vergatterung“. Damit wurde das gesamte Bordpersonal dem Kommandanten unterstellt und alle Vorschriften für den Gefechtsdienst traten in Kraft.

Nach dem Wegtreten auf Gefechtsstation wurde das Schiff seeklar gemacht. Nach Meldung aller Gefechtsstationen („klar zum Marsch und Gefecht“) legte das Schiff ab und verließ den Stützpunkt.

Unsere Einsatzgebiete waren die Mecklenburger Bucht bis in die Arkona- und Bornholmsee, die Kieler Bucht, die Ostseeausgänge (Großer Belt, Öresund), das Kattegat und die Nordsee. In den Gewässern vor der „Haustür“, Mecklenburger Bucht bis Bornholmsee, kamen wir in der Regel nur bei der Aufklärung größerer Schiffsgruppen (NATO-Manöver) zum Einsatz.
Unser Haupteinsatzgebiet war die Kieler Bucht. Hier befanden sich die Ostseestützpunkte der Bundesmarine Kiel, Eckernförde, Olpenitz und Flensburg.

Hauptsächlich hielten wir uns im Westteil der Kieler Bucht (Gebiet vor Olpenitz bis Leuchtfeuer Kiel) auf. Zum Teil visuell-optisch, aber vor allem mit der FuM-Anlage TRS333 (Radar), konnten wir die Zugänge zu den Flottenstützpunkten überwachen. Alle Schiffsbewegungen wurden mitgeplottet und im Gefechtstagebuch vermerkt. Bei außergewöhnlichen Aktivitäten (z.B. Alarmmaßnahmen) musste sofort das Lagezentrum Aufklärung des Kommandos der Volksmarine informiert werden. Gegnerische Einheiten, die in den Fehmarnbelt einliefen, wurden mit Funkspruch an alle gemeldet. Die Schiffe der 4.Flottille, die auf Vorposten 72 lagen, schätzten diese Meldungen sehr. Sie konnten sich rechtzeitig auf die FuM-Technische, oder direkte Begleitung dieser Einheiten vorbereiten.

Ein Schwerpunkt unserer Aufklärungstätigkeit war die Fotoaufklärung. Wir machten „Jagd“ auf alles, was sich im Wasser und in der Luft bewegte. Interessante Landobjekte gehörten auch dazu. Die Fotoausrüstung der „Hydrograph“ war auf gutem technischem Niveau. Neben Fotoapparaten vom VEB Pentagon Dresden (Praktika- und Pentagon SIX -Apparate) war eine Luftbildkamera Linhof Aero Technika im Einsatz. Die Kamera war ursprünglich für den Einsatz auf den beiden Hubschraubern „Mi-4A“ beschafft worden, die im März 1960 nach Parow verlegt wurden. Mit ihnen wollte die VM eine Luftaufklärung über See ermöglichen. Das Projekt scheiterte (vorerst) an technischen Belangen und der Weigerung der Luftstreitkräfte, die Hubschrauber der VM zu unterstellen. Ab 1961 gehörte die Kamera zur Fotoausrüstung der „Hydrograph“ (Quelle: Ewald Tempel „Im Alarmzustand“). Die Linhof-Kamera war für die Aufnahme von schnellen Zielen hervorragend geeignet. Das Suchersystem dieser Kamera bestand aus zwei Drahtrahmen, die, die Kamera mit beiden Händen haltend, in Deckung gebracht werden mussten.
Für alle Kameras gab es Objektive mit verschiedenen Brennweiten. Das größte, ein 1000 mm – Spiegelobjektiv, wurde für stationäre Objekte (Landobjekte, Hubinseln, Bohr- und Forschungsplattformen) verwendet.
An Bord aller Aufklärungsschiffe gab es Fotolabors, in denen die Filme und Fotos noch während des Einsatzes entwickelt wurden.

Die Zufahrt zur Kieler Bucht artete manchmal in ein Katz- und Mausspiel aus. Wir wussten, dass sowohl die Marinesignalstelle Marienleuchte, als auch das Feuerschiff „Fehmarnbelt“ jedes gegnerische Schiff meldete. Bei Passagen am Tage war mit Tarnung wenig zu machen. Nachts sah das schon viel besser aus. In der Regel tarnten wir uns als Handelsschiff. D.h., entgegen der üblichen Abdunklung militärischer Einheiten, schalteten wir alles an, was an Oberdeck leuchtete. Zusätzlich kam uns zu Gute, dass wir keine Kriegsschifflichterführung hatten. Da unsere Brücke, und damit die Seitenlichter, zwischen den beiden Mastlichtern lag, hatten wir die Signatur eines Handelsschiffes. Dazu ein nicht zu knapper Passierabstand zum Feuerschiff und wir schlüpften einige Male unerkannt in den „Vorhof“ der Bundesmarine.

Jeder Gefechtsdienst wurde mit einem Gefechtsbericht dokumentiert, der vorzugsweise auf der Rückfahrt fertiggestellt, unmittelbar nach dem Anlegen im Stützpunkt übergeben wurde. Bei außergewöhnlichen (bereits vorab per Funk gemeldeten) Ergebnissen übernahm ein Vertreter der Abteilung Aufklärung des Kommandos der VM direkt den Bericht und die beigefügten Unterlagen. Im Normalfall wurde an den Abteilungschef berichtet, der dann die Weiterleitung an den Chef Aufklärung der VM sicherstellte.

Der Gefechtsbericht beinhaltete alle Ergebnisse der visuell-optischen- und Funkmessaufklärung. Die Schweigefunker berichteten eigenständig an ihre Dienststellen.
Der Gefechtsbericht wurde mit zusätzlichen Unterlagen ergänzt. Das waren z.B. Manöverskizzen (Waffeneinsatzübungen, Verbandsfahren) und Fotos.

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Aufklärungsergebnisse
(70er und 80er Jahre)
(Terminus laut Volksmarine)

Seestreitkräfte BRD
Seestreitkräfte Dänemark
Schiffe/Boote kapitalistischer Staaten
  Vereinigten Staaten von Amerika (USA)
  Großbritannien
  weitere Staaten
Luftfahrzeuge kapitalistischer Staaten
Bewaffnung

 

 Begegnung mit Schiffe/Boote sozialistischer Staaten
UdSSR / VR Polen

 

Einsätze:

Im Nahbereich  der „Hydrograph“

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Nordsee

Anlandungen von Verstärkungskräften
Hauptaufgabe der Nordseeeinsätze war die Aufklärung der jährlichen Nato-Manöverreihe „Autumn Forge“ Diese NATO-Übungen fand jährlich seit 1975 statt. Dabei handelte sich um eine Verknüpfung einer Reihe von Trainingsübungen unter einem gemeinsamen Szenario, um die Bereitschaft der Streitkräfte und die Fähigkeit der NATO-Streitkräfte zur Zusammenarbeit zu verbessern.
Wolfgang Lindemann berichtet:

„Schwerpunkt war die Beobachtung der Anlandung von US-Einheiten an der dänischen Küste nördlich von Esbjerg. Die Docklandungsschiffe und sonstige amphibische Schiffe setzten die Truppen in der Esperance Bucht, südlich vom Leuchtfeuer Blavandshuk an Land.
Beim Einsatz 1976 befanden wir uns mit der „Hydrograph“ kurz vor Beginn der Anlandung nördlich der Untiefe Horns Rev. Um Zeit für das Umfahren (ca. 40 sm) einzusparen, entschloss sich unser Kommandant zu einer nautisch schwierigen und mutigen Aktion. Er ließ Kurs durch das Nordmands Dyb nehmen. Das ist eine schmale Durchfahrt durch Horns Rev. Sie ist ca. 10 sm lang und misst an der schmalsten Stelle etwa 0,5 sm. Der südliche Ausgang liegt mit 3,5 sm nur knapp außerhalb der dänischen Territorialgewässer.
1974 gab es eine unwetterbedingte Situation, die die Anlandung verhinderte. Westliche Stürme von Windstärken 8 bis 9 beherrschten das Wetter während der gesamten Einsatzzeit. Im September 1982 wurden die Anlandungen bei Blavandshuk durch den Gefechtsversorger E-35 „Nordperd“ aufgeklärt. Dazu wurde eine Aufklärungsgruppe, unter Führung des Aufklärungsoffiziers der 1.Flottille, eingeschifft. Ihr gehörten neben dem Kommandanten und dem Aufklärungsfotographen vom „Hydrograph“, einige Schweigefunker (FD-18, MfS-Funkaufklärung) an. Zusätzlich wurde die Fahrt für mehrere Kommandanden der 1.Flottille als Navi-/Aufklärungsbelehrungsfahrt genutzt.“

amphibisches Schiff USS Nassau (LHA-4) Tarawa-Klasse   Panzerlandungsschiffe USS La Moure County (LST-1194) Newport-Klasse
 
amphibisches Schiff USS Guadalcanal (LPH-7) Iwo-Jima-Klasse   Kommandoträger HMS Bulwark
   

Forschungsplattform NORDSEE
Die deutsche Forschungsplattform wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie entwickelt.
Am 8. Juni 1975 wurde die Plattform etwa 75 Kilometer nordwestlich Helgoland auf ein Stahlrohrgestell über einer Wassertiefe von 30 Meter aufgesetzt. Die 26 Meter mal 26 Meter große, 1500 Tonnen schwere Plattform enthielt Laborräume und Unterkünfte für acht Besatzungsmitglieder und maximal 14 Forscher. Die Plattform besaß ein Hubschrauberdeck. Der Sicherheit der Besatzung diente eine Rettungskapsel.
Das Bundesministerium der Verteidigung beteiligte sich mit 30 Prozent der Kosten an der Forschungsplattform. Die Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik forschte an der Unterwasserschallausbreitung. Dafür wurde nachträglich an der Westseite ein weiteres Bein an die FPN angebaut. An ihm waren akustische Sende- und Empfangsanlagen im Frequenzband 500 Hz bis 10 kHz in einer Halterung montiert, die von zwischen 5 m über dem Meeresboden bis an die Oberfläche und darüber hinausbewegt werden konnten. Im gleichen Frequenzband gab es eine akustische Langantenne am Meeresboden in 10,4 km Abstand von der Plattform, die mit ihr fest verdrahtet war.
Die Plattform wurde 1993 auf offener See demontiert.

Frigg-Gasfeld
Im April 1977 erfolgte ein Einsatz in der nördlichen Nordsee. Aufgabe war es, das norwegische Frigg-Gasfeld aufzuklären. Die Förderstätten dieses Gasfeldes zeichnete eine strategisch günstige Lage in diesem Seegebiet aus. Sie lagen genau in der Mitte des Zugangs zur Nordsee zwischen Norwegen und den Shetland-Inseln. Zu vermuten war, dass die NATO diese Plattformen für die technische Überwachung (funktechnisch, hydroakustisch) von Schiffsbewegungen aus dem Nordmeer (sowjetische Nordflotte) nutzen würde. Neben der fotographischen (Antennenanlagen) erfolgte eine funk- und funktechnische Aufklärung.

Das Gasfeld ist nach der Göttin Frigg benannt. Die Produktion lief vom 8.Mai 1978 bis zum 26.Oktober 2004. 

 

Einsätze der „Hydrograph“ in der Nordsee fanden an folgende Jahren statt:
September 1974, September 1976, September 1977, September 1978, August/September 1979 und Juni 1980.

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Ostsee

Starts der Rakete „Barbarella“

Zu Beginn der 70er Jahre wurden von der Hubinsel „Barbara“ mehrere Experimentalraketen gestartet. Darunter die Hybridrakete „Barbarella“.
„Barbarella“ war die ersten deutschen Hybridrakete. Sie wurde zu Beginn der 1970er-Jahre von der Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) der TU München unter Leitung von Robert Schmucker und W. Schauer entwickelt und am 12. März 1974 von der Hubinsel „Barbara“ in der Ostsee gestartet.

Hier eine Episode des Raketenstarts von Wolfgang Lindemann und seinem Bootsmann (Bordfotograph):

„Anfang 1974 wurde durch Ergebnisse der Aufklärung bekannt, dass Teststarts einer in der BRD entwickelten Rakete geplant waren. Als Plattform sollte die Hubinsel „Barbara“ der Bundesmarine dienen, die sich zu dieser Zeit in der Kieler Bucht aufhielt.
Das Aufklärungsschiff „Hydrograph“ erhielt den Auftrag, diese Starts zu beobachten und zu dokumentieren.
Die Hubinsel wurde im Ausgang der Eckernförder Bucht lokalisiert. Erste Beobachtungen ergaben, dass eine Startrampe, eine Art Gitterbox, installiert war. Diese Box besaß sechs „Rohre“. In zweien befanden sich Raketen.
Das Schiff bezog in der Nähe Beobachtungsposition. Die Hubinsel wurde rund um die Uhr visuell-optisch beobachtet und durch die Funkaufklärer überwacht. Der Bordfotograf brachte seine Technik (Kamera mit 1000mm-Spiegelobjektiv) in Stellung.
Durch die Informationen der Funkaufklärung konnten die Zeiten der Starts festgestellt werden. Die mitgehörten Countdowns ermöglichten dem Fotografen die Auslöser punktgenau zu betätigen. Drei Starts, einer am Tag, zwei in der Nacht, konnten so fotografisch festgehalten werden.“

 

Daten der Hybridrakete „Barbarella“:
Länge: 1,04 m
Durchmesser: 0,099 m
Startmasse: 10,1 kg
Treibstoff: Toluidin-Aminophenol-Gemisch und rot rauchende Salpetersäure
Treibstoffmasse: 3,6 kg
Brennzeit: 22 s
Schub: 370 N
Die Barbarella ist heute im Deutschen Museum in München ausgestellt.

Die Hubinsel „Barbara“ war eine Erprobungsplattform der Bundeswehr. Sie war der Wehrtechnischen Dienststelle 71 (WTD 71) in Eckernförde zugeordnet und diente der Erprobung von Waffen und Waffenleitsystemen. Namensgeber war die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Artillerie.
Gebaut bei den Howaldtswerken in Kiel wurde die Hubinsel (Klasse 740/12) am 26.06. 1964 in Dienst gestellt. Sie hatte das optischen RufzeichenY844. Die Außerdienststellung erfolgte am 15.12.1995. Anschließend wurde sie an die niederländische Firma Heuvelman verkauft und dort als Bergungs- und Arbeitsplattform eingesetzt. Im August 2018 unter der Flagge Curaçaos registriert.

Daten der Hubinsel „Barbara“
Besatzung: 11 Zivile
Antrieb: keinen
Stützpfähle: acht
Stromversorgung: 2 Dieselgeneratoren von 950 PS/750 kVA und 2 Dieselgeneratoren von 196 PS/150 kVA
Bordkräne: zwei: mit 12 und 2,5 Tonnen Tragfähigkeit
1979 wurden die Stützpfähle verlängert und eine Hubschrauberplattform installiert.

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© 2021 Peter Kieschnick, Wolfgang Lindemann